05.03.2025

LEADER-Region Nordschwarzwald - Leuchtturmregion im Holzbau und Klimaschutz

Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg liefert überraschende neue Erkenntnisse

Das Projektteam der Hochschule für Forstwirtschaft und der LEADER-Region (v.r.: Prof. Dr. Bertil Burian, Leonrad Bohne, Anika Gaus, Stefanie Baier und Gsf. Dajana Greger)

Im Auftrag der LEADER-Aktionsgruppe Nordschwarzwald und in Kooperation mit den Landkreisen Calw und Freudenstadt sowie der Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Nordschwarzwald, führte die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg eine Untersuchung entlang der regionalen Wertschöpfungskette „Bauen mit Holz“ in der LEADER-Region Nordschwarzwald durch. Nun wurden die Ergebnisse im Rahmen einer hybriden Abschlussveranstaltung im Landratsamt Calw vorgestellt.

Nach der Begrüßung und der Einführung durch den Vorsitzenden und die Geschäftsführerin der LEADER-Aktionsgruppe Nordschwarzwald, Herrn Dr. Frank Wiehe und Dajana Greger, wartete das Team der Hochschule mit Professor Dr. Bertil Burian, Anika Gaus und Leonard Bohne mit interessanten Informationen auf.

Die Untersuchung der Hochschule Rottenburg über die Wertschöpfungskette Forst und Holz in der LEADER-Region Nordschwarzwald zeigt erstmalig, dass die Region eine bislang nicht öffentlich wahrgenommene Leuchtturmregion des Holzbaus in Deutschland ist. Mit rund 200 Betriebe vor Ort sind sämtliche Stufen der Wertschöpfungskette – vom Waldbesitz über die Sägewerke bis hin zu den Holzbau-Betrieben vertreten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen darüber hinaus ein großes Nutzungspotential für die natürliche Ressource Holz, eine hohe lokale Verarbeitungsquote und ein enormes weiteres Entwicklungspotenzial im Bauwesen auf.

© Bilder: Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg

Ein Rohstoffpotential, dass es zu nutzen gilt

Der Wald ist das prägende Landschaftselement der LEADER-Region Nordschwarzwald. Rund 76 Prozent der Fläche sind mit Wald bedeckt. Dabei bestimmen verschiedene Nadelbaumarten das Erscheinungsbild des Waldes, wobei die Weißtanne als Charakterbaumart des Schwarzwaldes auf einem Drittel der Fläche beheimatet ist. Sie nimmt damit einen Spitzenplatz in der Verbreitung innerhalb Deutschlands ein. Auch in der Verjüngung dominieren die Baumarten Fichte und Weißtanne, so dass eine kontinuierliche Bereitstellung von Nadelholzmengen auch zukünftig für die Unternehmen der sich anschließenden Wertschöpfungskette sichergestellt ist. Die hohen Holzvorräte als auch der zunehmende Anteil von Starkholz vor allem im Privatwald sind kennzeichnend für die Region. Der Zuwachs des Holzes ist unabhängig von der Eigentumsart größer als die Holznutzung, was bedeutet, dass die zur Verfügung stehenden Potentiale bislang nicht vollständig genutzt wurden. Hier gilt es insbesondere die großen Starkholzvorräte für das klimaschonende Bauen zu mobilisieren. Insgesamt wurden in den Jahren 2020 bis 2024 rund drei Millionen Festmeter Rohholz im Untersuchungsgebiet eingeschlagen, wobei der Großteil Stammholz ist und damit die Grundlage für eine erfolgreiche Wertschöpfung v.a. im Holzbau liefert. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen zudem, dass über ein Drittel des eingeschlagenen Holzes in der LEADER-Region Nordschwarzwald verbleibt und über 80% der Einschlagsmenge innerhalb eines Radius von ca. 50 Kilometern um das LEADER-Gebiet verkauft wird. Regionaler geht es nicht!

TOP-Holzbau-Region Deutschlands

Mit einer durchschnittlichen Holzbauquote von über 40% im Wohn- und Nichtwohnbau für den Zeitraum 2012 bis 2024 weisen die beiden Landkreise Calw und Freudenstadt einen bundesweiten Spitzenwert auf. Im Vergleich dazu liegt die Holzbauquote im gleichen Betrachtungszeitraum für Baden-Württemberg bei 30% und für Deutschland bei 18%. So wird in der LEADER-Region Nordschwarzwald (fast) jedes zweite Einfamilienhaus in Holzbauweise errichtet. Auch die Holzbauquote im mehrgeschossigen Wohnbau konnte sich innerhalb des letzten Jahrzehnts fast verdreifachen und lag bis auf wenige Ausnahmen immer über dem baden-württembergischen bzw. deutschen Vergleichswert. Der Anteil des Holzbaus im Nicht-Wohnungsbau-Segment blieb im Zeitraum recht konstant bei über 30% Marktanteil. Die hohen Marktanteile des Holzbaus lassen den Rückschluss zu, dass eine hohe Holzbau-Kompetenz in der Region zur Verfügung steht. Gleichzeitig bieten die hohen Rohstoffpotentiale die Möglichkeit, die klimafreundliche und gesunde Bauweise in Holz in der Region weiter auszubauen. Vor dem Hintergrund der hohen Holzbau-Anteile und der damit verbundenen klimafreundlichen Bauweise sind die beiden Landkreise Calw und Freudenstadt nicht nur Top-Holzbau- sondern auch Top Klimaschutzregion.

Aus Sicht der Architektenkammer gilt es, den eingeschlagenen Weg erfolgreich fortzusetzen. Das Ziel ist, dass der Holzbau noch sichtbarer wird. Ablesbare Holzkonstruktionen und Fassaden aus Weißtanne sind die Gestaltungselemente um dieses Ziel zu erreichen

Was gilt es zu tun?

Um die IST-Situation in der Wertschöpfungskette Forst-Holz vor Ort zu erfassen, wurden die Datenanalysen um eine Stärken-Schwächen-Chancen-Risiko-Analyse ergänzt. Hierzu fand Ende September 2025 in Seewald-Göttelfingen ein Workshop statt, bei dem Vertreter*innen aller Stufen der Wertschöpfungskette eingeladen und mitgewirkt hatten. Auf Basis der Ergebnisse aus den Datenanalysen und des Workshops sind sechs konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt worden, deren Themenschwerpunkte Öffentlichkeitsarbeit, Digitalisierung, Fachkräftemangel, Politik, Rohstoffstrategie sowie Kooperationen sind.

Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen die großen Potenziale des Clusters Forst & Holz der LEADER-Region Nordschwarzwald. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten zeigt sich das Cluster Forst und Holz in der Region als sehr stabil. Hier gilt es die positive und wirtschaftliche Entwicklung weiter zu stärken, da eine wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Holzbaulösungen inner- und außerhalb der Region seit Jahren festzustellen ist. Insgesamt bietet das Cluster gute Job- und Zukunftschancen, die es in die Gesellschaft v.a. vor Ort zu kommunizieren gilt.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die LEADER-Region Nordschwarzwald eine Leuchtturmregion des Holzbaus ist, die bislang wenig bekannt war und die es weiterzuentwickeln gilt.

Die Ergebnisse der Untersuchung finden Sie hier:

Abschlusspräsentation "Regionale Wertschöpfungskette - Bauen mit Holz - in der LEADER-Region Nordschwarzwald"
(pdf - 3329 KByte)
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